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      Sehr ausführliche Entscheidung des Schweizwerischen Bundesstrafgerichtes vom 1. Dezember 2011.Unter 2.6 bis 2.16 sind die relevanten, zum System gehörenden Verhaltensweisen bzw. Merkmale des Geschäftsmodells des Menschenhandels ausführlich beschrieben."Vor dem Hintergrund der oben in E. 3.2 wiedergegebenen Tatbestandselemente ist als relevantes Beweisergebnis von den erwiesenen Elementen des Geschäftsmodells in E. 2.1 bis 2.16 für den Tatbestand des Menschenhandels Folgendes festzuhalten: Der Beschuldigte A1 hat in Brasilien junge Frauen aus zumeist sehr armem oder zumindest wirtschaftlich sehr schwierigem Umfeld für seine Bordelle rekrutieren lassen. Er hat diesen Frauen in der Folge die Reise in die Schweiz ermöglicht, indem er Geld überwies oder überweisen liess, für Pässe, den Kauf von Gepäckstücken und als Vorzeigegeld für die Einreise der Frauen als Touristinnen in die Schweiz; er liess ihnen Flugtickets organisieren und finanzierte die Reise vor. Zwar hat er die Frauen in Brasilien dafür nicht persönlich ausgesucht und engagiert, wiewohl sie häufig nach seinen Vorgaben rekrutiert wurden, sie waren aber ausnahmslos dazu bestimmt, in A1s Studios unter den von ihm diktierten Bedingungen der Prostitution nachzugehen. Dabei war die "Einwilligung" dieser Frauen rechtlich unwirksam: Die Einwilligung in diese Tätigkeit und in die illegale Überführung in die Schweiz zum Zeitpunkt ihrer Zusage, ist auf ihre schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse im Herkunftsland zurückzuführen; aber auch die Einwilligung zum Zeitpunkt ihres Arbeitsbeginns bei A1 war nicht wirksam, weil sie auf freiheitsbeschränkenden Voraussetzungen im Sinne von E. 4.1 oben beruhte. Aufgrund der vorfinanzierten Reise und des auferlegten Schuldenabbausystems konnte A1 davon ausgehen, dass die Frauen die erwartete Tätigkeit auch ausüben würden, wenn sie dann einmal in der Schweiz angekommen waren. Indem A1 in einer Vielzahl von Fällen gleich gehandelt hat, hat er auch das mit dem Begriff des "Handel Treibens" verbundene Erfordernis der wiederholten Begehung erfüllt (vgl. Trechsel, Kurzkommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 2. Auflage 1997, Art. 196 StGB N. 2). Schliesslich hat er mit diesem Handel, soweit man darin überhaupt ein Tatbestandserfordernis erblicken wollte, direkt wesentliche Geldsummen verdient und damit "gewerbsmässig" gehandelt: Gemäss seinem eigenen Konzept waren die überhöhten Schulden der Frauen, die diese zunächst mit den eigentlich ihnen zustehenden Einnahmen aus der Prostitution zurückzahlen mussten, im Zusammenhang mit der Reise entstanden, während die ihm zustehenden 50% der Einnahmen seinen Anteil am Prostitutionsgeschäft ausmachten. Die Frauen zahlten ihm im Ergebnis also nicht nur seine Auslagen für den Menschenhandel zurück, sondern darüber hinaus noch ein Honorar dafür. A1 hat mithin objektiv tatbestandsmässig gehandelt. Dass er auch in dieser Hinsicht mit Wissen und Willen, demnach vorsätzlich gehandelt hat, steht ausser Frage (vgl. auch oben E. 4.1.1). A1 hat sich mithin des Menschenhandels im Sinne von Art. 196 aStGB schuldig gemacht."Auch der Straftatbestand der Förderung der Prostitution wird ausführlich behandelt.

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